Chronologie des Leiharbeiterkampfes Wolfsburg-Hannover-Braunschweig 2017

Februar 2018 - Hallo Freunde des IAC, unsere Mitkämpfer aus den Reihen der „Leiher“ haben folgende Chronologie erstellt. Wir stellen euch unsere bisherige Zeitleiste des Kampfes gegen Leiharbeit am Standort Braunschweig, Wolfsburg und Hannover vor. Wir würden uns freuen, wenn ihr uns antwortet und es einen Austausch gibt.

 

 

Zeitraum

Was ist passiert?

2013 - 2015

Stammwerker aus Portugal arbeiten in Wolfsburg an der Montagelinie Ihnen wurde die Wahl der Arbeitslosigkeit oder Versetzung nach Deutschland gelassen. Sie wurden nach 2 Jahren wieder zurückgeschickt.

Herbst 2015

 

 

 

September 2016

Einsatz von uns 500 Leiharbeiter/-innen in Wolfsburg an der Montagelinie Halle 8, 12, 15B und 54 als Ersatz für die portugiesischen Kollegen. ½ jährliche Verlängerungen. Gutes Arbeitsklima, voll integriert, Solidarität untereinander

70 Neu eingestellte Leiharbeiter

Januar 2017

Infoveranstaltung mit dem Inhalt: „es läuft schlecht – wir schicken von 475 Leiharbeiter/-innen 200 nach Hannover, tragt euch dafür ein.“ Dann warteten wir 2 Wochen auf den Anruf, ob wir dabei sind. Am 1.2. gingen 200 nach Hannover, am 20.3. nochmals 100 Kollegen/-innen. Der Wechsel fand innerhalb von 3 Tagen statt. Damals gründete sich die gemeinsame „WhatsApp - Gruppe“.

Zwischendurch wurde abgefragt, ob wir nach Stuttgart zu Porsche wechseln wollen. 35 Kollegen wechselten nach Stuttgart, wo sie mittlerweile einen Festvertrag haben.

Februar 2017

Hannover: Einsatz von uns an der Montagelinie des Amarok – Aufbau der 2. Schicht. Die Solidarität war nicht gut entwickelt. Wir waren „die WOB Zeitarbeiter“ von Anfang bis Ende, die IGM BR war „nicht für uns zuständig“. Die Kollegen waren genervt vom Anlernen und dem ständigen Personalwechsel. Wir bekamen mit: es wurden im Juli 2016 325 Leiharbeiter/-innen entlassen, im September 2016 300 neue Leiharbeiter/-innen direkt in Hannover eingestellt. Diese wurden vom IGM BR auch bevorzugt behandelt, weil es „die eigenen“ Leiharbeiter sind. Dann kamen wir im Februar 2017. Frage: Warum hat keiner von euch mit uns gekämpft? Warum war keiner für uns zuständig?

 

Die 70 Kollegen (Einstellung 9/2016) können bei Wunsch nach Kassel und bekamen gleiche 11 - elfmonatige Verlängerung. Die mit „Nein“ gestimmt hatten bekamen keine Verlängerung, und ein Teil ging in den Wärmetauscher in Hannover. Kein First in,last out Prinzip.

Ab März 2017

Die Stammkollegen in Wolfsburg fragten oft nach den Leiharbeiter/-innen und deren Verträgen - bei IGM Sitzungen und in Emails an ihre Vorgesetzten. Sie haben aber nicht gefragt nach den Leiharbeiter/-innen, die nach Hannover gegangen sind – aus den Augen, aus dem Sinn?

Die Leiharbeiter/-innen in Hannover wurden regelmäßig von den Leiharbeiter/-innen aus Wolfsburg mit Informationen aus dem Werk versorgt. Der Kontakt war zu wenig, riss aber zum Glück nicht ab.

Juni 2017

Auf der Betriebsversammlung in Wolfsburg wurden 2 Redebeiträge zu Festeinstellung der Leiharbeiter/-innen von Stammwerkern gehalten.

Juni 2017

Hannover: Ab April gab es nur noch 3 Verlängerungen in kürzester Zeit für die Leiharbeiter/-innen : von April – Juli; von Juli – Oktober; von Oktober bis Dezember – ein Nervenkrieg für uns und unsere Familien.

Oktober 2017

Aus den Leiharbeiter/-innen in Hannover wurden 70 Leute herausgesiebt, davon sind 21 nach Kassel gegangen und der Rest in den Wärmetauscher gekommen mit großem Versprechen, Sie wollten im Wärmetauscher lieber Leiharbeiter/-innen haben als Stammwerker, vermutlich weil er dicht gemacht werden soll.

Sommer 2017

In Braunschweig wehren sich Stammwerker und Azubis, mit Erfolg gegen die Zwangsversetzungen nach der Lehre ins Werk Kassel. Vermutlich gingen an ihrer Stelle die 21 Leiharbeiter aus Hannover.

September 2017

In Hannover halten 4 Leiharbeiter/-innen auf einer dezentralen Betriebsversammlung eine Rede wegen ihrer Lage – Erst mal ohne sichtbare Resonanz. Sie klagen auf Wiedereinstellung und bekommen Solidarität.

September 2017

In Wolfsburg auf der Betriebsversammlung erneut mehrere Reden für die Übernahme der Leiharbeiter/-innen – außerdem 3 Transparente im Werk Wolfsburg für die Übernahme der Leiharbeiter/-innen

Ende Oktober 2017

Kurz vor der Betriebsversammlung in Hannover kam die Nachricht, dass alle Leiharbeiter/-innen entlassen werden.

40 Leiharbeiter/-innen waren mit Plakaten auf der Bühne und hielten eine Rede und konfrontierten den Vorstand und den Betriebsrat, dass es ungerecht ist. Einige kommen in den Wärmetauscher und andere fliegen raus. Der Betriebsrat Zwiebler kontert. Sie würden sich Unsolidarisch den anderen gegenüber verhalten. Unter den Leiharbeiter/-innen war großer Aufruhr und Kritik an dieser Reaktion des IGM BR. Wir haben uns unverstanden gefühlt. Es gab aber auch Applaus für uns und direkte Solidarität von einem freien Betriebsrat und 1 Vertrauensmann.

Zwieberge verkündet Produktionserhöhung trotz Entlassung der Leiharbeiter auf Maximum am Tag von 800 Fahrzeugen bis Werksurlaub 2018.

 

Betriebsversammlung Kassel: Die Produktion platzt aus allen Nähten, Neueinstellungen der Autovision (250) Personen. Keine Abfrage an die Leiharbeiter, wer wechseln würde.

Oktober bis Dezember 2017

E-Mail Verkehr von den Wolfsburger Leiharbeiter/-innen Hannover:

15.10. 2017 Mail an Alexander Heider der IGM Verwaltungsstelle Wolfsburg. Antwort: Es laufen Verhandlungen.

1.11. 2017 Mail an Heider IGM Verwaltungsstelle Wolfsburg. Antwort: Es laufen Verhandlungen.

2 Telefonate mit Hartwig Erb, der uns klare Unterstützung zusagte.

21.11. 2017 Termin bei der Rechtsanwältin der IGM – leider ist alles legal, was VW macht, aber politisch sollen wir Druck ausüben.

29.11. 2017 Mail an Heider, Antwort: Alles gescheitert, ab zum Arbeitsamt.

Oktober 2017

Die Wolfsburger Leiharbeiter/-innen schreiben in Summe 60 E-Mails an den Vorsitzenden des Betriebsrates Bernd Osterloh.

11.12. Antwort von Bernd Osterloh an die 60 und als offenen Brief an alle Vertrauensleute im Werk Wolfsburg – er ist enttäuscht und kritisiert den Vorstand, kann aber nichts machen.

Ende November 2017

Wolfsburg Betriebsversammlung. 1 Redner fordert auf der Bühne die Übernahme der Leiharbeiter/-innen, 40 stehen mit Plakaten im Publikum. Es wird direkt Herr Diess angesprochen und das erste Mal antwortet das Management direkt auf die Fragen der Kollegen.

Anders als in Hannover wurde die Entlassung der Leiharbeiter/-innen in Wolfsburg erst 1 Woche nach der großen Betriebsversammlung über die Vertrauensleute verkündet. Da hat das Management wohl dazu gelernt.

Hannover: Studenten werden eingestellt, Leiharbeiter sollen sie anlernen für ihr Ausscheiden am 22.12.2017

Dezember 2017

8.12. Abbruch Informationsveranstaltung für Leiharbeiter/-innen in Hannover – da wurde uns erzählt, wie wir uns bewerben sollen, Arbeitsstellen Angebote wo die Autovision uns Fest übernehmen müsste für andere Kunden. – danach Pausenversammlung und gemeinsamer Gang zum Betriebsrat mit ca70 Leuten

 

12.12. Pausenversammlung in Hannover

8. - 16.12. Wir haben in Hannover 2 Transparente gemalt und 2 Flyer entwickelt, in Wolfsburg wurde aus verschiedenen Hallen Solidarität entwickelt und an uns zurückgesendet. Auch von Kollegen aus Braunschweig, Airbus, Seat Spanien und BMW Mitarbeitern erhielten wir Solidaritätserklärungen

16.12. Große Aktion in Wolfsburg vor Tor 17 – 150 Kollegen/-innen waren da. Danach sind wir zum Weihnachtsmarkt und wurden von den Wolfsburger Nachrichten interviewt.

18.12 Herr Erb gab der Wolfsburger Nachrichten ein Interview: Es hätte Lösungen für uns gegeben.

21.12. Wir waren mit 12 Kollegen/-innen spontan in der IGM Verwaltungsstelle, das Gespräch dauerte 2 Stunden mit dem Versprechen, dass wir von ihnen hören. Wir haben bis heute noch keinen neuen Termin oder eine Antwort bekommen.

Ende Dezember, NDR & Tagesschau Beitrag über Leiharbeiter bei Volkswagen. Deutschlandweites Interesse über unsere versprochenen Alternativen.

Januar 2018: Anruf von Herrn Heider, IGM macht weiter Druck nach dem TV Beitrag unsere Alternativen einzufordern .Er gibt zu das die Autovision auf den Infoveranstaltungen Enten Verkauft hat, um besser da zu stehen. Es passiert nichts.

Unser Fazit:

  • Wir fragen uns, warum das nicht ein bisschen nach dem „First in - Last out“ - Prinzip arrangiert wurde, wie Herr Rosik (Vorstand Personal) mehrmals erwähnt hat. Herr Rosik weiß wohl mal wieder nicht Bescheid, was an der Basis passiert.

  • Jahrelang sollten wir kampflos flexibel sein. Wir wurden als Manövriermasse an die Standorte geschickt. Das läuft international ( Portugal) und auch in andere Marken ( Porsche).

  • Wir haben unser Abwarten überwunden, weil wir unsere Angst und unsere Hoffnungen in die Versprechen der Chefs verloren hatten. Das nächste Mal wollen wir das nicht erst kurz vor Ende der Verträge machen, sondern von vorne herein ohne Illusionen unsere Erfahrungen in die neuen Belegschaften einbringen.

  • Wir müssen uns koordinieren und koordiniert bleiben.

  • Wir müssen zusammenhalten. Denn jeder kann der nächste sein!