„Opel Eisenhart“ - (Korrespondenz 14.12.18)

Eine Betriebsversammlung für das Selbstbewusstsein der Belegschaft - Mit der Betriebsversammlung am 14. Dezember hat die Belegschaft von Opel Eisenach ein kämpferisches Ausrufezeichen zum Jahresende gesetzt.

Die aus Rüsselsheim angereiste Arbeitsdirektorin des Konzerns begann ihre Rede damit, dass sie spüre, wie ihr in Eisenach Misstrauen entgegen schlägt. Als sich dann während ihrer Rede eine kleine Schlange am Saalmikrofon bildete, wurde sie immer nervöser. Die völlig nichtssagende Rede war kaum fertig als sich eine junge Kollegin zu Wort meldete. Sie sprach im Namen aller Kollegen, die noch in der Entgeltgruppe vier stecken, eine Entgeltgruppe unter der Masse der Belegschaft. Und sie forderte endlich die E5 für alle. Während dieses Redebeitrags standen etwa 80 Betroffene auf, die meisten sammelten sich hinter der Kollegin. Zum Schluss stand fast die ganze Belegschaft aus Solidarität auf.

Dann folgten Schlag auf Schlag Redebeiträge gegen die Abmahnungen in Bochum für antifaschistische Solidarität, zum Mobbing, zu dem Diesel-Betrug bei Opel, zur unbefristeten Übernahme der Azubis und vor allem zu der Kernfrage, welche Produktion ab nächsten Sommer in Eisenach läuft um 1450 Leute zu beschäftigen. Dabei wurden auch Parallelen zur Arbeitsplatzvernichtung in Ellesmere Port gezogen und die Solidarität mit dem Streik der Kollegen in England und mit dem Kampf gegen den Teilverkauf des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim zum Ausdruck gebracht. Ein Kollege zeigte der Arbeitsdirektorin die „offizielle Bezeichnung“ für das Werk im Konzern. Er hielt ein Schild hoch, das als Packzettel an eine Karosse gehängt war, die von Sochaux nach Eisenach geschickt worden war: „Für Opel Eisenhart“.
Die Arbeitsdirektorin wurde dann schnell aus dem Verkehr gezogen und der Personalchef von Eisenach sprang in die Bresche. Er verkündete als ein Zugeständnis an die Belegschaft, dass für 2019 nun doch wieder Auszubildende eingestellt werden, traute sich aber keine Zahl zu nennen. Ein weiterer Höhepunkt war die Rede des frisch gewählten stellvertretenden Vorsitzenden der Jugendvertretung. Er schilderte anhand eigener Erfahrungen die schlechte Behandlung der Azubis in der Produktion und wie er sich mit Unterstützung eines kämpferischen Betriebsrates erfolgreich gewehrt hat.
Insgesamt zwölf Redebeiträge von neun Kollegen sind für Eisenach rekordverdächtig, noch besser war allerdings die Stimmung unter den aktiven Kollegen und in der ganzen Belegschaft nach dieser Versammlung.